Am 18. Juli 2026, dem hierfür vom 17. Gyalwang Karmapa Ogyen Trinley Dorje ausgewählten Tag, fand im Kloster Thupten Shedrub Jangchubling in Bylakuppe, Südindien, die Einäscherung von Seiner Eminenz Choeje Ayang Rinpoches heiligem Körper, genannt „Kudung“ statt.
Rinpoche hatte im Alter von 83 Jahren, am 24.12.2024 seinen Körper in Mysore verlassen, nachdem er zwei Tage in der postmortalen Meditation (tib. Tukdam) verweilt hatte. Bis zur Einäscherung war sein Körper im alten Teil der Klosteranlage aufbewahrt und von zahlreichen Menschen besucht worden.
Drikung Khenchen Könchog Rangdol Rinpoche, Mönche und Nonnen, Ngakpas und Ngakmas, sowie Laienschüler, waren aus Asien, Australien, Russland, den USA und Europa angereist, um gemeinsam mit Rinpoches Familie und dem Kloster dieses wichtige Ereignis zu begehen und wurden warmherzig vor Ort empfangen. Gleichsam repräsentierte sich so eindrücklich Rinpoches unermüdliches und sorgfältiges Engagement, den Dharma zeitlebens während zahlloser Reisen sowie den jährlichen Phowa-Unterweisungen in Bodhgaya an eine mannigfaltigen Schülerschar weiterzugeben.
Am frühen Morgen wurden bei ihrer Ankunft zunächst S.E. Gyangkhang Rinpoche, Leiter des Namdroling Klosters, Lama Sonam Gyatso Rinpoche und weitere Lamas des Klosters in langen Reihen von den Teilnehmern mit weißen Khataks begrüßt.
Nachdem anschließend in einer feierlichen Prozession nebst goldenen Schirmen sowie Dakas und Dakinis – welche den Kudung springend und tanzend umringten – zunächst das alte und dann auch das jüngst fertiggestellte neue Gebäude des Klosters gemeinsam feierlich umschritten wurde, fand die eigentliche Zeremonie statt. Vor dem neuen Klostergebäude war hierzu ein Purkhang, ein strahlend weißer Bestattungs-Stupa, errichtet worden. Mit Blumengirlanden und fünffarbigen Bändern war er prächtig geschmückt und mit reichlichen Opfergaben umgeben worden. In dessen von innen hellblau gefärbter Kuppel brachten mehrere Mönche den mit Brokat verhüllten und mitKrone versehenen Kudung, wo sie ihn vorsichtig mittig platzierten.
Zeitgleich mit dem Entzünden des Feuers führten vier bedeutende Meister in jeder der vier Himmelsrichtungen die Feuer-Pujas (tib. Jintsek) zusammen mit Mönchen und Yogis aus, während die weiteren Teilnehmenden Gebete und Mantras sprachen.
Jede Feuer-Puja widmete sich einer anderen Praxis, die allesamt an das anknüpften, was Rinpoche vorwiegend gelehrt hatte. Gleichzeitig spiegelte die Wahl der die Praxis leitenden Meister Rinpoches enge Verbindung sowohl mit der Drikung Kagyü als auch der Palyül-Linie wieder. Letztere hält und gibt die Namchö-Lehren weiter, die auf Tertön Mingyur Dorje zurückgehen.
Im Osten etwa leitete, S.E. Kyabje Gyangkhang Rinpoche die Praxis von Vajrasattva. Auf dem Thron im Norden saß der Yogi und Retreat-Meister aus Lapchi, der ehrwürdige Lapchi Dorzin Thundup, um die Praxis von Vajravarahi auszuführen. Seine Eminenz Palchen Galo Rinpoche, Ayang Rinpoches Sohn, leitete die Praxis von Buddha Amitabha im Westen. Und im Süden fand sich Lama Sonam Gyatso Rinpoche, ebenfalls dem Kloster Namdroling zugehörig, der die Praxis von Shitro, auch bekannt als die Praxis der 100 fried- und zornvollen Gottheiten, ausführte.
So wurde die Zeremonie gemeinsam in kraftvoller und friedvoller Verbindung aller vollzogen. Mit Beendigung der Praxis und dem Erlöschen der Flammen fiel ein sanfter Regenschauer nieder.
In den folgenden Tagen führten Versammlungen von Sangha-Mitgliedern jeweils unter der Leitung eines Vajra-Meisters die ausführliche Buddha Amitabha Sadhana, Guru Yoga, Neten Chagchö, Chöd sowie das Gebet für die rasche Wiedergeburt Seiner Eminenz durch. So wurden Segen empfangen und Hindernisse für die erfolgreiche Wiedergeburt und Inthronisierung von Rinpoche beseitigt.
Bianca Fromm