Geschichte – Drikung Deutschland https://drikung.de Deutschland Mon, 20 May 2019 10:14:08 +0000 de-DE hourly 1 Milarepa – der große Yogi Tibets https://drikung.de/milarepa-der-grosse-yogi-tibets/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=milarepa-der-grosse-yogi-tibets Fri, 18 Mar 2016 12:02:13 +0000 https://drikung.de/?p=3855

Jetsün Milarepa (1052-1135)

Über Milarepas Leben und seine Verwirklichungen gibt es eine Vielzahl von Erzählungen, die sich in Tibet großer Beliebtheit erfreuen und bis in die heutige Zeit überliefert worden sind. Auch seine spirituellen Lieder sind in viele Sprachen übersetzt worden. In „Die Großen Kagyü-Meister“ heißt es in der Einleitung:

Milarepa hielt die Übertragungslinie der Praxis und wurde eine Schlüsselfigur der Inspiration für die Anhänger des Dharma, ganz gleich welcher Schule sie angehörten. Aufgrund seiner unmittelbaren Wahrnehmung von Samsara, seiner großen Entsagung und seiner Bereitschaft, größte Leiden zu ertragen, erreichte er in einem Leben die Verwirklichung aller großen Qualitäten eines Buddha und wurde durch das mühelose Komponieren der Vajra Doha Lieder zu einem Instrument, das den Dharma in Tibet verewigte. Wie er selbst prophezeite, wurde sein Ruhm von den Dakinis verbreitet. In unserer Zeit ist seine Lebensgeschichte in vielen Sprachen erhältlich und wurde zu einer heilenden Kraft für die entmutigten Wesen in Samsara.

Dann wird das Leben von Milarepa unter vier Aspekten beschrieben, die hier mit einigen Beispielen kurz vorgestellt werden:

(1) Begegnung mit dem Erhabenen Marpa

Milarepa_ganzDer Erhabene Marpa hatte zahlreiche Schüler. Von seinen Herzensschülern war der große Yogi Milarepa der Wichtigste. Der große Milarepa lebte in Tibet, dem Land des Schnees. Bei seiner Geburt erhielt er den Namen Mila Thöpaga. Er erhielt schon früh zahlreiche Belehrungen, wie z.B. zu Maha-Ati, sowie Belehrungen über die Natur des Geistes gemäß den Schriften der Sutras. Später ging er zu dem Erhabenen Marpa, einem großen Meister, der ein Hauptschüler von Naropa war und viele Schwierigkeiten auf sich nahm, um die Lehren zu erhalten. Der Erhabene Marpa besaß den Pfad des segensreichen Tantra und die Technik der glückverheißenden gegenseitigen Abhängigkeit. Als Milarepa von ihm hörte, fühlte er außergewöhnliche Hingabe in sich entstehen. Daher zog er trotz Schwierigkeiten und Hunger bis nach Lhotrak, dem Ort, an dem Marpa Lotsawa lebte.

(2) Arbeit für den spirituellen Meister

Dort führte er alle möglichen Dienste, einschließlich Bauarbeiten, für den spirituellen Lehrer aus und schließlich erhielt er Belehrungen. Einmal gab es aufgrund eines ungewöhnlich heißen Sommers und einer bescheidenen Ernte wenig Nahrung. Da ging der große Heilige Milarepa in die Stadt, um vor der Menge, die die Schönheit seiner Lieder zu schätzen wusste, zu singen. Für seine Kunst erhielt er eine große Menge Gerste, die er der Frau seines Lehrers gab. Darüber war sie so erfreut, dass sie zu Marpa sagte, er solle Milarepa alle Lehren geben, die er besitzt. Zu dieser Zeit übertrug der Meister nur bestimmte Lehren. Später gab Marpa ihm die Essenz der vier Tantras, die sechs Yogas von Naropa und andere Lehren. Insgesamt blieb Mila sechs Jahre und elf Monate bei Marpa. Er erhielt alle Lehren ohne Ausnahme und kam zu einem tieferen Verständnis der essentiellen Lehren. Da er aber nur geringe Opfergaben darbringen konnte, dachte er: „Die höchste Opfergabe ist die Opfergabe der Praxis. Um die Güte des Meisters zu vergelten, sollte ich deshalb meine Praxis den von ihm erhaltenen Lehren darbringen.“ So meditierte er in verschiedenen Höhlen und anderen Orten und erlangte viele Verwirklichungen.

(3) Meisterschaft der gewöhnlichen und außergewöhnlichen Verwirklichungen (skr. Siddhis)

Unterhalb des Klosters von Ngok praktizierte Milarepa ein Jahr lang Meditation, ohne seinen Sitzplatz zu verlassen. Nach einem Jahr erlebte Milarepa glückselige Hitze und ruhiges Verweilen. Nachdem er auch an anderen Orten meditierte, erlangte er große innere Hitze und andere Qualitäten. Eine Zeit lang ernährte er sich nur von Nesseln, ohne Salz oder andere Gewürze. Als Mila vier Monate in Nepal meditierte, ernährte er sich nur von Obst. Wenn es niemanden gab, der ihm helfen konnte, gaben ihm die Dakinis Verschiedenes zu essen und zu trinken. Er konnte auch vier, fünf oder sechs Tage ohne Nahrung auskommen. So erklärte er: „Wenn ich in Samadhi eintrete, brauche ich nichts.“

Sein Ruhm verbreitete sich im ganzen Land wie das Licht von Sonne und Mond. Manchmal sang er Lieder der Verwirklichung und andere Yogis, die diese hörten, entwickelten tiefe Hingabe. Einige erkannten, dass er ein Siddha (skr.) war und entwickelten ebenfalls tiefe Hingabe. Einigen erschien er in besonderen Manifestationen, sodass in ihnen tiefes Vertrauen entstand. So erhielt eine Frau Belehrungen zur Tummo-Praxis und erlangte innerhalb von drei Tagen die Verwirklichung der inneren Hitze. Danach erhielt sie von Rechungpa weitere Belehrungen und praktizierte acht Jahre lang Me­ditation in völligem Schweigen. Später ging sie direkt in einen himmlischen Bereich ein.

Einmal gab Milarepa einem Schüler verschiedene Anweisungen und später begaben sich Ereignisse genauso, wie sie Mila vorhergesagt hatte. Auch viele andere, die Mila begegneten, erkannten, dass er übernatürliche Fähig­keiten besaß. Als z.B. einmal Tashi Tsering aus Drin kam, der den Meister bisher noch nicht getroffen hatte, sah er, wie der Meister von einem Felsen fiel und unverletzt wieder aufstand. Ein anderes Mal wurde Mila gesehen, als er am Himmel in einem Kristall-Stupa schwebte und dann wieder, wie er am Himmel auf einem Löwen ritt. Ein anderes Mal erschien ein Anhänger bei dem Meister, ohne ihn zu sehen. Als Mila wieder auftauchte, fragte er ihn, wo er war und was er getan hat. Mila antworte: „Ich habe nichts getan. Die beiden Formkörper des Buddha erscheinen gemäß den mentalen Verwirklichungen der Wesen, aber tatsächlich hat der Buddha nichts getan.“

Einmal gab es eine Seuche, durch die viele Menschen und Tiere getötet wurden. Da erschien Milarepa eine junge Frau, die ihn auf magische Weise zu einer großen Dakini führte. Diese erklärte ihm, dass schädlicher Rauch, der durch Menschen verursacht worden war, die Ursache der Seuche war und gab ihm Anweisungen, wie die Menschen der großen Seuche ein Ende machen konnten. Auch viele weitere Erlebnisse zeugten davon, dass der Meister vollkommene, übernatürliche Einsicht und grenzenlose Qualitäten besaß. So entwickelten viele, die solche Dinge erlebten, tiefe Hingabe an Milarepa.

Milarepa war niemals vom Zustand des Samadhi getrennt, unterschied nicht zwischen Meditation und Nachmeditation und erlangte die absolute Wahrheit der Dharmata, die Manifestation des Dharmakaya. Am achten Tag des vierten Monats im Jahr des Vogels trat Mila mit zweiundachtzig Jahren in Mahasamadhi ein. Seine Einäscherung fand in Tise und Drin statt. In dieser Zeit erschien er an drei verschiedenen Orten, in einer Form wurde er das Objekt für die Opferungen von Tashi Tseringma und in einer anderen Form ging er nach Indien.

(4) Die Fähigkeit, geeignete Gefäße (Schüler) zur Reife zu bringen

Im Allgemeinen hatte der ‚Große Heilige’ viele Schüler, darunter vier Herzenssöhne, acht nahestehende Schüler, sechs Schüler, die erst kurz vor seinem Tod erschienen und einen unvergleichlichen Sohn, der der Linienhalter war. Unter ihnen war sein einziger Dharma-Erbe und der wichtigste unvergleichliche Herzenssohn, der die Übertragungslinie hielt, der erhabene Meister des Dharma, Gampopa Nyamme Rinpoche. Der Erhabene Gampopa wurde in vielen Lehren des Buddha vorhergesagt. Dieses große, unvergleichliche Wesen (Gampopa) hat zwei Strömungen der Lehren, die von Atisha und die von dem ‚Großen Heiligen’, verbunden.

Der erhabene Meister des Dharma, der Drikungpa sagte: „Die kostbare Kagyü-Linie bringt die zwei Linien zusammen. Von Atisha kommt das kostbare, wahre Bodhicitta, die reine ethische Disziplin, die Sammlung der Lehren, die Kultivierung des Geistes, die Methode der Ordination und anderes. Von den Lehren des ‚Großen Heiligen’ kommen die Mahamudra der gleichzeitig entstehenden Weisheit, die sechs Dharmas von Naropa und vieles andere.“

Auszüge aus: Die Großen Kagyü-Meister,
deutsche Übersetzung im Drikung Kagyü Verlag 2004,
Zusammenstellung von Tändsin T. Karuna

Die Lebensgeschichten großer Meister – angefangen bei Buddha Shakya­muni bis zu heute lebenden Persönlichkeiten – beschreiben, welchen Lehrern sie begegnet sind, was sie gelernt haben, wie sie in ihrer Entwicklung Fortschritte gemacht haben, welche Verwirklichungen sie erlangt haben und auf welche Weise sie gewirkt haben bzw. heute noch wirken. Außerdem sind es Beispiele, um dazustellen, wie sich verschiedene Siddhis und erleuchte Qualitäten entwickeln und ausdrücken können. Indem sie den Dharma studiert, nach den Anweisungen ihrer Lehrer praktiziert, Hindernisse überwunden und große Verwirklichungen erlangt haben, sind sie zu wichtigen Vorbildern und Meistern geworden und tragen dazu bei, die Lehren zu erhalten und an ihre Schüler weiter zu vermitteln. Sie zeigen Wege, wie die Buddhaschaft zum Nutzen der Wesen erlangt werden kann. So können sie ihre Nachfolger inspirieren, in ihnen Hingabe erzeugen und ihnen die Lehren übertragen.

Indem wir uns ebenso von ihnen inspirieren lassen und über sie meditieren, können wir ihren Segen erhalten. Das bedeutet, dass wir den Wunsch entwickeln, ihre Verwirklichung in unserem eigenen Geist zu entwickeln, um zum Nutzen der Wesen zu wirken. Auch, wenn viele jetzt nicht die Voraussetzungen und äußeren Bedingungen besitzen, intensive Studien und Praxis auszuführen, können uns die Lebensgeschichten Anregungen für unsere eigene Entwicklung geben und uns ermutigen, entsprechend den Anweisungen der Lehrer zu praktizieren. So können wir auch unserem Leben eine entsprechende Ausrichtung zu geben und unsere geistigen Qualitäten entwickeln.

Um Grundlagen für günstige Bedingungen in zukünftigen Leben zu schaffen, gibt es zahlreiche Gebete und Übungen, die von großen Meistern und ihren Nachfolgern überliefert wurden. So können z.B. in verschiedenen Texten zur Praxis des Guru Yoga die Verbindungen zu diesen Meistern der Vergangenheit aktiviert werden. Die Praktizierenden machen sich mit der Entwicklung und Übertragung ihrer Verwirklichungen vertraut und bitten um den Segen und die Unterstützung, um eigene Hindernisse zu überwinden und ihnen in ihrer Praxis nachfolgen zu können.

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Kurze Biografie von Drikung Kyobpa Jigten Sumgön https://drikung.de/kurze-biografie-von-drikung-kyobpa-jigten-sumgoen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=kurze-biografie-von-drikung-kyobpa-jigten-sumgoen Sun, 21 Mar 2010 13:02:53 +0000 https://drikung.de/kurze-biografie-von-drikung-kyobpa-jigten-sumgoen/

Der Erhabene Jigten Sumgön war ein Buddha in menschlicher Gestalt, der im zwölften Jahrhundert in Tibet erschien, um die Absicht und das Ziel der unermesslichen und tiefgründigen Lehren des Buddha zu erklären. Sein Erscheinen wurde eindeutig von Buddha Shakyamuni in vielen Sutras und Tantras vorhergesagt. Wenn der richtige Zeitpunkt kommt, äußert sich durch verschiedene Verknüpfungen von Ursachen und Bedingungen großer Segen auf diese Weise.

PhagmodrupaDer Geist des Erhabenen Jigten Sumgön war ungewöhnlich tiefgründig und klar, selbst als er sehr jung war. Einmal rezitierte sein Vater das Manjushrinamasangiti. Nur durch das einmalige Hören prägte der Erhabene Jigten Sumgön es sich vollständig ein. Im Alter von neun Jahren begann er zu meditieren und dann nach Lehrern Ausschau zu halten, um das Vajrayana, Mahamudra und andere tiefgründige Lehren zu studieren. Als er fünfundzwanzig Jahre alt war, hörte er den Namen von Phagmodrupa, einem großen Gelehrten und Meditierer, der ein Schüler des großen Gampopa gewesen war und von dem Gampopa gesagt hatte: „Phagmodrupa ist nicht verschieden von mir.“ Phagmodrupa hatte viele höchst vollendete Schüler um sich versammelt, große Bodhisattvas, die hohe Stufen spiritueller Verwirklichung erlangt hatten. Als jetzt der Erhabene Jigten Sumgön vor ihm erschien, sagte Phagmodrupa: „Dies ist ein besonderer Schüler. Er wird ein großer Meditierer werden und meinen Thron innehaben.“ Einen Thron innehaben bedeutet nicht nur, auf diesem Platz zu sitzen. Vielmehr bedeutet es, den Thron der vollkommenen Erleuchtung der Buddhaschaft innezuhaben. Der Erhabene Jigten Sumgön nahm Phagmodrupa als seinen Wurzel-Guru, den Dharmakaya Buddha, an und erhielt seine vollständigen Lehren.

Kyobpa Jigten SumgönEr zog sich dann in die Echung Höhle zurück und meditierte sieben Jahre lang, um die Lehren, die er erhalten hatte, zu verwirklichen. Mit fünfunddreißig Jahren erlangte er die Erleuchtung und im Augenblick seines Erwachens sagte er: „Aufgrund meiner Erkenntnis besteht jetzt kein Unterschied zwischen Meditation und Nachmeditation. Die vollständigen Lehren erweisen sich als untrennbar von gegenseitiger Abhängigkeit.“

Der Ruf des Erhabenen Jigten Sumgön verbreitete sich im ganzen Land. Mit siebenunddreißig Jahren errichtete er seinen Sitz in Drikung Thil – einem Ort, der das Mandala von Chakrasamvara ist – und aufgrund seiner großen Weisheit und seines großen Mitgefühls versammelten sich dort viele Schüler, nicht nur aus Tibet, sondern auch aus Indien, China, Nepal und vielen anderen Orten. Seine Anhänger waren nicht nur Menschen, sondern auch nicht-menschliche Wesen. Der Erhabene Jigten Sumgön gab Geiern, Pferden und anderen Tieren Belehrungen. Es wurde gesagt, weil sich so viele Mönche in Drikung Thil versammelt hatten, spiegelte sich die Farbe ihrer Roben am Himmel. Als sich 180.000 Schüler dort versammelt hatten, schickte der Erhabene Jigten Sumgön sie alle mit Anweisungen an verschiedene heilige Plätze, um ihre Praxis in der Klausur zu vollenden. Unterdessen versammelten sich fortwährend viele weitere Schüler.

Drikung ThilDer Erhabene Jigten Sumgön lehrte, dass Bodhicitta, der Erleuchtungsgeist, die Essenz des Dharma ist. Er sagte auch, dass das ‚Rad des Bodhicitta’ der höchste Schutz für einen selbst und für andere ist. Dies bezieht sich auf die vollständige Übung des relativen und absoluten Bodhicitta. Gewöhnlich glauben wir, dass wir durch das Praktizieren der höchsten, fortgeschrittensten Lehren die Buddhaschaft in einem Leben erreichen können. Aber ohne Bodhicitta wird dies unmöglich sein. Wenn Bodhicitta vorhanden ist, wird dies jede andere Praxis, die wir ausführen, unterstützen und die Buddhaschaft wird nicht weit entfernt sein. Alle anderen Lehren des Buddha sind zur Unterstützung und Klärung unseres Verständnisses der Bodhicitta-Praxis gedacht. […]

Vierzig Jahre lang lehrte der Erhabene Jigten Sumgön den kostbaren Dharma in Übereinstimmung mit den Worten des Buddha und der Kommentare. Seine zahllosen Schüler gewannen Vertrauen in seine Anweisungen als die direkte, letztendliche Essenz der Buddha-Lehren. Viele dieser Schüler erlangten noch im gleichen Leben die Buddhaschaft. Andere erreichten die zehn Bhumis oder die acht Bhumis oder zumindest die erste Bhumi. Es gab keinen Schüler des Erhabenen Jigten Sumgön, der nicht mindestens die Natur seines oder ihres Geistes erkannte.

Chen-nga Sherab JungneDer Erhabene Jigten Sumgön sagte, dass er immer als Stütze für jene da sein wird, die in Zukunft Führung und Hilfe brauchen und dass er für jene ohne Lehrer als Wurzel-Guru dienen wird. Was könnte wunderbarer oder erstaunlicher sein? Wenn wir ihn als unseren Wurzel-Guru nehmen, an ihn denken, sein Mantra rezitieren und die vier Ermächtigungen empfangen, indem wir uns auf seine Visualisierung stützen, werden wir sogar heute zweifellos seinen vollständigen Segen erhalten.

Chen-nga Sherab Jungne – einer der engen Schüler des Erhabenen Jigten Sumgön sowie Autor vieler seiner Lebensgeschichten, der seine Lehren u.a. im Wurzeltext des Gongchig zusammenstellte – fragte den Erhabenen Jigten Sumgön dreimal, wo sein Buddha-Bereich sein werde, weil seine Anhänger in der Zukunft gerne zu ihm beten und von diesem Ort Segen empfangen würden. Der Erhabene Jigten Sumgön antwortete: „Ich habe keinen speziellen Buddha-Bereich, weil meine Verwirklichung – Dharmakaya – nicht verschieden von der Verwirklichung aller Buddhas ist. Wenn jemand über Mahamudra meditiert, wenn jemand über die Natur des Geistes meditiert, wird mein Segen dort sein.“ Dies ist so, weil es keine Trennung zwischen den fühlenden Wesen und den Buddhas gibt.

Auszug aus der Einleitung
von Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche,
Frederick, Maryland, Januar 2001

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Biographie des ehrwürdigen Kyunga Rinpoche (1911-1980) https://drikung.de/biographie-des-ehrwuerdigen-kyunga-rinpoche-1911-1980/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=biographie-des-ehrwuerdigen-kyunga-rinpoche-1911-1980 Fri, 26 Jan 2007 16:31:29 +0000 https://drikung.de/biographie-des-ehrwuerdigen-kyunga-rinpoche-1911-1980/

Kyunga Könchog Zopa Gyatso verbrachte fünfunddreißig Jahre seines Lebens in Klausur. Er war ein verwirklichter Meister der Drikung-Kagyü Mahamudra und der Sechs Yogas von Naropa. Er war auch ein Tertön, der Dharma-Textrollen der Dakinis und andere Dharma-Schätze entdeckte. Bachung Rinpoche rühmte ihn stets als die Manifestation des indischen Mahasiddha Dombi Heruka. In der Zeit nach 1970 waren die Beiträge zur Erhaltung und Pflege der kostbaren Drikung Kagyü Linie von Kyunga Rinpoche und Bachung Rinpoche einzigartig. Kyunga Rinpoche wurde 1911 in Chumbo / Kham geboren. Er hatte viele Geschwister. Seine Familie gehörte zu den Sakya Khon oder den weiblichen Nachkommen der Sakya-Familie. Sein Vater Nondrup und seine Mutter starben, als er noch sehr jung war. Ein paar Jahre nach seiner Geburt zog seine Familie in die Gegend von Drikung in Tibet. Das Haus seiner Familie befindet sich genau unterhalb des Klosters Drikung Thil.

Im Alter von vier Jahren nahm er Zuflucht vor der Statue des Erhabenen Jigten Sumgön in der Haupthalle des Klosters Drikung Thil und erhielt den Namen Könchog Zopa Gyatso. In der folgenden Zeit blieb er im Kloster und erlernte die religiösen Rituale, Mudras und Instrumente. Wenn er mit den anderen Novizen spielte, sprach er immer davon, ein Haus für die Klausur zu errichten und sein Leben in Zurückgezogenheit zu verbringen. Schon als Kind wurde er von den anderen Mönchen der Gruppe als ihr Anführer anerkannt.

Mit fünfzehn Jahren wurde ihm aufgrund seines vorbildlichen Benehmens die Ehre zuteil, dass er den Titel Umze (Musikmeister) erhielt. Er hatte aber den Wunsch, umfassend Philosophie zu studieren und ging deshalb an das ‚Sunray’s Garden College‘, das sich zu dieser Zeit in Yamari befand. Er lernte bei dem Lehrer Nayrong Tulku Jamyang Wangje, einer Emanation der Löwen-Sprache von Manjushri und einem Herzensschüler des berühmten Dzogchen Khenpo Shenga. Innerhalb von fünf Jahren schloss er seine Studien der Dreizehn Großen Indischen Kommentare vollkommen ab und erhielt den gesamten Zyklus der Longchen Nyingthig Lehren.

Danach erhielt er die Bhikshu-Ordination von Shiwä Lodrö (1874 – 1943), dem sechsten Chetsang Rinpoche und 34ten Thronhalter der Drikung Kagyü Linie. Von ihm erhielt er auch viele Ermächtigungen und mündliche Unterweisungen. Nach seinem Schulabschluss erhielt er Unterweisungen zum Fünfteiligen Pfad der Mahamudra von dem Mahasiddha Ankong Rinpoche und von Tseden Rinpoche, dem Klausur-Meister von Drikung Thil. Außerdem brachte er einem berühmten Klausur-Yogi Dorje Logga ein kleines Stück Gold dar und erhielt mündliche Unterweisungen zu Mahamudra und Maha Ati. Er erhielt die Sechs Yogas von Naropa vier Mal, und zwar von Seiner Heiligkeit Shiwä Lodrö, von Tseden Rinpoche, von Ankong Rinpoche und Tsar Ö Dorje Logga. Tseden Rinpoche war fünf Jahre lang sein Klausur-Meister in Drikung Thil. Er war ein Vajra-Bruder des Mahasiddha Bachung Rinpoche und von Khenpo Namnang, einem berühmten Madyamika-Meister, die seine Kameraden in der Schule und in der Klausur waren. Bachung Rinpoche nannte Kyunga Rinpoche immer Dombi Heruka und sich selbst Naropa. Einmal waren die drei Vajra-Brüder gemeinsam unterwegs und kamen durch einen Ort, der Tsega Tan heißt. Unbemerkt von seinen Freunden ruht sich Kyunga Rinpoche auf einem großen Felsen aus, während die anderen weiter nach Lhe Tho gingen. Als sie merkten, dass er nicht mehr bei ihnen war, warteten sie auf ihn. Als er wieder mit ihnen zusammentraf, sahen sie, dass er einen kostbaren Phurba in der Hand hielt. Er sagte: „Wenn unsere Praxis dieselbe ist, dann zeigt mir bitte einen ähnlichen Terma-Phurba.“

Weil Kyunga Rinpoche außergewöhnliche Vollendung im Fünfteiligen Pfad der Mahamudra und in den Sechs Yogas von Naropa hatte, sandte ihn Seine Heiligkeit Shiwä Lodrö in den dreißiger Jahren zum heiligen Lachi-Gebirge, einem besonderen Ort von Milarepa, um dort das Kloster für drei Jahre als Vajradhara zu leiten. S.H. versprach ihm, dass er, nachdem er diese Pflicht erfüllt habe, frei sei, um als Yogi umher zu wandern. Lachi ist der heilige Ort von Chakrasamvaras rechtem Ohr. Jedes Jahr ist er aufgrund heftiger Schneefälle für drei bis vier Monate vollkommen von der Umwelt abgeschnitten. Als Vajradhara oder Oberhaupt des Klosters von Lachi gab er regelmäßig Unterweisungen für die Yogis in der Klausur. Er blieb dort für sechs bis sieben Jahre. Er war bekannt dafür, dass er häufig Dohas, Lieder der Verwirklichung, sang. Jetzt sind einige von ihnen, wie der ‚Lobpreis an Naropa‘, von seinen Schülern aufgezeichnet worden.

Nachdem er seine Aufgabe erfüllt hatte, reiste er mit Einverständnis von S.H. Shiwä Lodrö nach Tsari, zum Berg Kailash, nach Dolpo in Nepal, nach Yanglse sowie nach Bodhgaya und Varanasi in Indien. An jedem Ort dieser Pilgerfahrt machte er für mehrere Monate ein Retreat. Schließlich erreichte er Sansang, den heiligen Ort von Guru Rinpoche, der zu Fuß einen Monat vom Berg Kailash entfernt ist. Er verbrachte fünfzehn Jahre auf diesem hohen Berg in Klausur. Weil ihn die ortsansässige Menschen nicht kannten, nannten sie ihn Tsar Urgen Tsampa was soviel heißt wie ‚der Yogi auf dem Felsen von Guru Rinpoche’. Als Tertön fand er an diesem Ort einige Dakini-Textrollen. Obwohl er die Gegenstände fand, enthüllte er in diesem Leben die Lehren in ihnen nicht, weil er sich ihrer nicht völlig bewusst wurde und weil sich auch die notwendigen Bedingungen nicht einstellten. Aber im Alter von siebenunddreißig Jahren erhielt er direkt von der Dakini die Erlaubnis, eine Frau zu nehmen. Eines Tages träumte er, dass ihn eine Dakini rief. Beim Aufwachen ging er in die Richtung der Dakini und fand ein achtzehn Jahre altes Mädchen, mit allen notwendigen Zeichen, die er zur Frau nahm. Nach dem Mittagsmahl nahm sie sein Meditationskissen und folgte ihm hinauf zu den hohen Bergen, wo er Mahamudra praktizierte. Manchmal folgte sie ihm sogar um Mitternacht auf den Leichenplatz, um Chöd zu praktizieren. Die Höhlen in den Schneebergen von Sansang sind äußerst kalt und windig, aber wegen seiner hohen Verwirklichung der Inneren Hitze ging es ihm gut. In dieser Zeit erkannten einige der Dorfbewohner seine Verwirklichung und kamen zu ihm, um Belehrungen zum Fünfteiligen Pfad der Mahamudra und den Sechs Yogas von Naropa zu erhalten. Nachdem sie seine Unterweisungen praktizierten, hatten sie sehr gute Ergebnisse. So wurden diese kostbaren, schwierigen und tiefgründigen Lehren geschickt weitergegeben.

In den fünfziger Jahren wurden die Bedingungen schlechter. Eines Tages ging er alleine zu einem hohen, entfernt gelegenen Berg. Er entdeckte ein altes, schwarzes Stück Papier. Darauf stand geschrieben: „Es ist jetzt nicht gut hier zu bleiben, gehe zurück nach Drikung Thil.“ Deshalb kehrte er, gemäß der Weisung seines Schützers, nach Drikung Thil zurück. Einige der Mönche konnten nicht akzeptieren, dass er eine Frau hatte und sich wie ein Mahasiddha verhielt. So ging er schon vor 1959 nach Gantok in Sikkim. Dort traf er den zweiten Dzongsar Jamyang Khyentse, Chökyi Lodrö. Sie wurden enge Freunde und diskutierten immer über den Dharma. In dieser Zeit hatte er zwei Mönchsschüler, die mit ihm nach Sikkim gekommen waren. Ihr Verständnis der Mahamudra und der Sechs Yogas von Naropa verursachte Neid und sie wurden vergiftet, einer in Sikkim und einer in Bhutan. Nur Rinpoche und seine Frau überlebten. Von da an wusste niemand etwas von seiner Verwirklichung. Er arbeitete unerkannt als Straßenarbeiter in Gruppen einfacher tibetischer Flüchtlinge. Für seine schwere Arbeit erhielt er täglich anderthalb Rupien, die zum Überleben reichen mussten. So lebte er viele Jahre versteckt und gab niemals öffentlich Belehrungen.

Kyunga RinpocheAls die Straße Bir in Nordindien erreichte, wurde er von dem berühmten Kagyü-Meister Lama Sansang, der viele Schüler hatte, als sein früherer Lehrer erkannt und Lama Sansang, der sehr bewandert in den Sechs Yogas von Naropa war, zollte ihm öffentlich Respekt. Den Menschen wurde bewusst, dass Kyunga Rinpoche weit davon entfernt war, ein gewöhnlicher Mensch zu sein. Als Lama Sansang starb, erschien ein Regenbogen und es regnete Blumen vom Himmel und es gab viele andere glückverheißende Zeichen. Die Menschen dachten, wenn sein Schüler so verwirklicht ist, um wie viel mehr muss es sein Lehrer, Kyunga Rinpoche, sein. Während dieser Zeit in Bir führte er viele Gespräche bezüglich der Sicht von Mahamudra usw. mit dem Tutor des einundvierzigsten Sakya Trizin, Khenpo Rinchen. Sie verglichen auch die komplizierten Mudras von Vairocana der beiden Linien.

Anfang der siebziger Jahre erreichten die Straßenarbeiter Manali. Dort besuchte ihn der erste Tukse Rinpoche (1915 – 1983) der Drukpa Kagyü Linie, um ihn kennen zu lernen. Nach einem tiefgehenden Gespräch über Mahamudra in der Kagyü Linie war Tukse Rinpoche so bewegt durch die hohe Verwirklichung von Kyunga Rinpoche, dass er ihn lobte. Dann bat Tukse Rinpoche ihn, das Rad des Dharma zu drehen, aber bescheiden antwortete er, dass er jetzt zu alt sei. Kyunga Rinpoche gab jedoch Apo Rinpoche, dem Enkel des Mahasiddha Shakya Shri aus der Drukpa Kagyü Linie, die innersten mündlichen Unterweisungen der Karma Mudra. Als der neunte Togdän Rinpoche der Drikung Kagyü Linie, Chöje in Ladakh, Tukse Rinpoche vorgestellt wurde, erfuhr er von diesem von der Ankunft Kyunga Rinpoches. Er verschaffte Kyunga Rinpoche eine besondere Aufenthaltsgenehmigung für Ladakh, wo es viele große Drikung-Klöster gab (zu dieser Zeit war es tibetischen Flüchtlingen nicht erlaubt, sich in Grenzgebieten wie Ladakh aufzuhalten). Dort blieb er zuerst in Samsang Phari, einem Kloster, das zu einem der drei Hauptklöster der Drikung Linie gehörte, Shaghoku.

In dieser Zeit war er der qualifizierteste Klausur-Meister der Drikungpas in Indien und wurde deshalb gebeten, eine Drei-Jahres-Klausur zu leiten. 1974 begann die erste Drei-Jahres- Klausur, an der Lama Sönam Jorphel und neun andere Schüler teilnahmen. Die Bedingungen waren so ärmlich, dass das Kloster nur das Notwendigste für Kyunga Rinpoche aufbringen konnte. Die anderen Teilnehmer der Klausur konnten sie nur mit Feuerholz versorgen. Da sie keine Unterstützung erhielten, mussten sich die Schüler in der Klausur selbst versorgen. Kyunga Rinpoche nahm die schwere Verantwortung auf sich, selbst auch für die Schüler zu sorgen. Die Bedingungen waren so hart, dass im Winter Schnee in die Räume geweht wurde und die Schüler mussten einen Ofen aus Eisenteilen bauen. Im Sommer regnete es durch das Dach herein. Die Schüler baten viele Male darum, die Klausur verlassen zu dürfen, um für ihren Unterhalt betteln zu gehen. Aber er erlaubte es ihnen nicht. Er tat sein Bestes, um allen zu helfen, so dass sie sich auf ihre Übung konzentrieren konnten. Kyunga Rinpoche besaß eine kleine Flasche, in die er eine Linie mit dem Messer einritzte. Alle Arten von Getreide, die er gespendet bekam, füllte er in diese Flasche. Wenn das Getreide die Höhe der Linie erreichte, versammelte er alle Schüler und machte eine Tsog-Opferung. Zu einer bestimmten Zeit mussten die Schüler eine Feuer-Puja veranstalten. Kyunga Rinpoche tat stets sein bestes, um alle Texte und Ritualgegenstände wie Vajra und Gantha zu beschaffen, um die Zeremonie in dieser schwierigen Zeit möglich zu machen. Seine Schüler waren überglücklich, dass sie einige Vajras und Ganthas hatten. Kyunga Rinpoche kümmerte sich in diesen drei Jahren völlig um die Ausbildung der Schüler und ging jeden Tag durch das Klausurhaus. Wenn sie lauschten, konnten sie stets seine Schritte hören, und sie konnten immer seine Anwesenheit spüren. Wenn es um die Übung ging, war er sehr genau. Während der Zeit der Niederwerfungen im Winter war es den Schülern nicht erlaubt, Niederwerfungsbretter zu benutzen, sogar wenn ihre Ohren und Arme beinahe erfroren waren, und sie wurden aufgefordert, sich direkt auf den Boden niederzuwerfen. Obwohl viele krank wurden, verließ niemand die Klausur.

In den wenigen Tagen zwischen den eigentlichen Klausurperioden vergeudete Kyunga Rinpoche keine Zeit. Die Schüler studierten dann die Rituale und Mudras von Chakrasamvara, Vairocana usw. Kyunga Rinpoche hatte nur einen Gedanken, nämlich die Praxislinie makellos und ohne Fehler fortzuführen. In dieser Zeit wurde Kyunga Rinpoche von Drubpa Tukse Rinpoche in das Kloster Tsartzi eingeladen, wo er viele mündliche Unterweisungen über die Methode der Übung entsprechend der Drikung Kagyü Linie gab. Damit erfüllte er die Wünsche von Tukse Rinpoche. Später schrieb Tukse Rinpoche einen Brief an die Schüler in der Klausur und ermutigte sie, den Unterweisungen dieses seltenen Lehrers genau zu folgen.

Da alle die guten Ergebnisse der ersten Drei-Jahres-Klausur sahen, baten ihn die Mönche des Klosters Lamayuru, in ihr Kloster zu kommen. Rinpoche antwortete: „Wenn es dort Mönche gibt, die eine Klausur machen möchten, werde ich kommen.“ Und so begann 1978 eine zweite Klausur in Lamayuru mit zwölf Mönchen, darunter Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche. Am Ende des Jahres, im November, kam S.H. Chetsang Rinpoche, um an der Klausur teilzunehmen. Er erhielt in dieser Zeit die Siebenunddreißig Übungen eines Bodhisattva und viele Langlebens-Einweihungen von Kyunga Rinpoche.

Shiwe Lodrö Glugpa Gele Rinpoche begleitete Seine Heiligkeit Chetsang Rinpoche und er sprach zu Kyunga Rinpoche auf folgende Weise: „Seine Heiligkeit ist die Wiedergeburt deines Wurzel-Guru, S.H. Shiwä Lodrö. Er ist ein wirklicher Mahasiddha, der wieder in Samsara erschienen ist. Er ist kein gewöhnliches Wesen. Er hat genug Leiden in China erfahren. Erlaube ihm deshalb bitte, als besondere Rücksichtnahme, weniger Niederwerfungen zu machen und übertrage ihm schnell die Gesamtheit der Linie.“ Kyunga Rinpoche war betrübt, dies zu hören und lehnte ohne Zögern ab. Er sagte: „Wenn er eine Inkarnation von S.H. Shiwä Lodrö ist, muss er mehr als andere praktizieren, um sein Qualität unter Beweis zu stellen.“

Als Gele Rinpoche nach Dharamsala zurückkehrte und Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama davon berichtete, war der Dalai Lama so glücklich, dass er seine Hände als Zeichen der Ehrerbietung zusammenlegte und sagte: „Kyunga Rinpoche ist ein wahrer Guru!“ Kyunga Rinpoche betonte gegenüber S.H. Chetsang Rinpoche: „Es ist nicht wichtig, wie lange es dauert. Wenn du Niederwerfungen machst, musst du dich vollständig niederwerfen.“ Seine Heiligkeit führte 300.000 Niederwerfungen aus. Seine Begleiter waren über seine Kraft erstaunt, die es ihm ermöglichte, die Niederwerfungen in sehr kurzer Zeit zu beenden.

Während dieser Zeit waren die Bedingungen auch sehr ärmlich. Die Yogis im Retreat waren froh, eine dünne Bettdecke zu haben. S.H. Chetsang Rinpoche war erst vor kurzem von Tibet nach Indien gekommen. Er lebte unter nicht viel besseren Bedingungen. Sein Begleiter Lama Könchog pflanzte vor der Klausurhütte Kartoffeln an und verkauft sie an die indische Armee. Das daraus entstandene Einkommen verwendete er für seinen Lama, S.H. Chetsang Rinpoche, damit er seine Klausur fortführen konnte. Kyunga Rinpoche lebte in einem Zelt. Wie sonst sammelte er alle Opfergaben seiner Sponsoren und legte sie unter seine Matratze. Regelmäßig verteilte er sie unter seinen Schülern. Er trug niemals die guten Stoffe, die er von seinen Sponsoren erhielt. Wenn er Spenden für Pujas, die er für Sterbende ausführte, erhielt (wie Juwelen und Jade) zerrieb er sie und vermischte sie mit Ton, um Stupas anzufertigen, die er dem Verstorbenen widmete. Er behielt nie etwas für sich oder seine Familie. Sogar seiner eigenen Tochter gab er niemals Schmucksachen oder schöne Stoffe. Seine Tochter hatte nur ein Paar Kleider, obwohl sie viele Male um gute Kleider bat, um die Gäste zu bewirten. Einmal gab es in einem Tsog viele wünschenswerte Dinge zu essen, nach denen sich die Tochter sehnte, aber trotzdem gab er die Opfergaben seinen Schülern und ihr gab er nichts. Seine Familie besaß keine Ersparnisse und hatte nie genug Nahrungsmittel für den nächsten Tag, doch er war zufrieden. Sein ganzes Mitgefühl richtete sich auf seine Schüler und so demonstrierte er die Widmung eines wahren Yogi. Er warnte die Menschen immer: „Das Eigentum des Klosters und Opfergaben sind die Quelle der Auseinandersetzung.“ Einmal zeigte er auf seine zerrissenen Kleider und sagte zu seinen Schülern: „Wer kann in diesem Alter noch solche Kleider tragen? Das ist ein Wunder.“

Kyunga Rinpoche In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde S.H. der Dalai Lama und S.H. Chetsang Rinpoche vom dritten Ontul Rinpoche zur Einweihung seines neuen Klosters eingeladen, das am einem heiligen See von Guru Rinpoche in Tso Pema. In der Menschenmenge erkannte S.H. der Dalai Lama Kyunga Rinpoche und ging hinüber, um ihn zu begrüßen. Bevor er seinen Kata überreichen konnte, gab der Dalai Lama ihm den Kata zurück und berührte seine Stirn mit seiner eigenen, ein Zeichen großen Respekts. Der Dalai Lama sagte zu ihm: „Du bist ein außergewöhnlicher Linienhalter der Drikung Kagyü Linie, bleibe bitte lange am Leben. Komm bitte nach Dharamsala, um eine Langlebens-Puja für mich und für dich auszuführen.“ Während der Zeit der Einweihung lehrte Kyunga Rinpoche den ‚Juwelenschmuck der Befreiung‘, die ‚Essenz des Mahayana‘ und den ‚Sonnenstrahl Kommentar über den Gongchik, die eine Intention der Buddhas‘ von Rigdzin Chos Grag (1595 – 1659), dem 24ten Thronhalter der Drikung Kagyü Linie. Außerdem gab er in der Öffentlichkeit die großen Chakrasamvara- und Vairocana-Ermächtigungen. Kyunga Rinpoche sagte zu seinen Schülern: „Der Gongchik ist ein wichtiger Text, den jeder studieren sollte und wenn ihr diesen Text lernen wollt, ist Khenpo Rinchen der beste Lehrer. Wenn ihr eine Klausur machen wollt, ist das auch gut. Euer Geist ist euer Lama.“ Später konnten die Schüler keine Belehrungen über den Gongchik von Khenpo Rinchen erhalten und deshalb gab er selbst den Schülern, zu denen auch Khenchen Könchog Gyaltsen gehörte, vier Monate lang alle drei Hauptkommentare. So bewies er seine Fähigkeiten sowohl in Bezug auf die Studien als auch in Bezug auf die Praxis. Danach wurde er von Ontul Rinpoche eingeladen, eine weitere Klausur im Kloster von Tso Pema zu leiten, in dem Ontul Rinpoche die Lehren vom Ngöndro bis zur Chakrasamvara-Praxis vollendete.

Kyunga Rinpoche war ein Lehrer, der Unterweisungen gemäß der Intelligenz jedes einzelnen Schülers geben konnte. Ihm gefielen nur Schüler, die die Klausur-Praxis ausführten. Er wollte seine Unterweisungen nicht an diejenigen verschwenden, die nicht praktizieren wollten. Deshalb war es nicht einfach, Unterweisungen von ihm zu erhalten. Aber er nutzte jede Gelegenheit, vor gewöhnlichen Leuten zu lehren. Er kannte die karmischen Ursachen und Wirkungen. Er begann zu lehren, einfach um die Leute anzuziehen, damit in ihnen der Wunsch entstehen konnte, zu lernen und zu praktizieren. Wenn sie einmal angebissen hatten, wurde er sehr streng mit ihnen. Rinpoche wollte nicht, dass seine Schüler in die Häuser gingen und Pujas ausführten, um damit Geld zu verdienen. Auch billigte er nicht, dass sie ihre klösterlichen Gelübde zurückgaben. Einmal starb die Mutter eines Klausur-Teilnehmers, aber Rinpoche erlaubte ihm nicht, die Klausur zu unterbrechen. Er sagte: „Was hat es für einen Zweck nach Hause zu gehen? Was steht in deiner Macht? Es ist besser hier in Klausur zu bleiben und das Verdienst zu widmen.“ Rinpoche dachte, wenn es wirklich notwendig ist, eine Puja zu veranstalten, ist es besser sie im Klausur-Raum im Kloster auszuführen als zum Haus des Gönners zu gehen, weil man weniger gestört wird und alle Ritualgegenstände verfügbar sind, was die Puja wirkungsvoller macht. Wenn man die Puja außerhalb ausführt, ist es schlecht für den Ausführenden und für den Gönner, weil die Puja dann weniger wirkungsvoll ist.

Rinpoche hatte auch die Fähigkeit, nicht menschliche Wesen zu erkennen und zu unterweisen. In der Zeit, als er die Plätze für die Klausurhäuser wählte, erklärte er den anwesenden Leuten: „Dort ist ein Naga, dort sind nicht menschliche Wesen. Meidet diese Plätze und stört sie nicht.“ Ein anderes Mal wurde ein Gebiet von Parasiten im Wasser befallen, was dazu führte, dass die Menschen innere Blutungen hatten. Die Menschen mussten ihre Tiere zu weit entfernten Trinkplätzen führen. Als Rinpoche eingeladen wurde, dort eine Puja auszuführen, sprach er sehr ernst zu den Insekten im Wasser: „Ihr verursacht den Tod anderer Wesen und viel Leiden. Das ist falsch.“ Wenn man Rinpoche nicht kennen würde, hätte man ihn für verrückt gehalten, wie er so vor sich hin murmelte. Kurze Zeit später verschwanden die Parasiten als Antwort auf seine Belehrung. Er konnte auch in Trockenzeiten den Regen herbeirufen.

Als Kyunga Rinpoche nach Dharamsala eingeladen wurde, um ein Langlebensgebet für S.H. den Dalai Lama auszuführen, war er auf dem Rückweg nach Ladakh in einen Unfall mit dem Bus verwickelt. Aufgrund der in Panik geratenen Menschenmenge erlitt er ernste innere Verletzungen. Wegen seiner hohen Praxisstufe erschienen die Zeichen der Verletzung nicht sofort. Zwei Monate später führte die Verletzung zu Erbrechen, immer wenn er etwas gegessen hatte. Er wurde sehr schwach, aber er gab noch immer Belehrungen, die die Yogis für ihre Klausur benötigten, ohne auch nur einen Gedanken an seine Gesundheit zu verschwenden. Das Kloster Lamayuru ist weit entfernt von jeder medizinischen Betreuung und sehr arm. Obwohl Lama Sönam Jorphel ihn jeden Tag besuchte und ihm tibetische Medizin gab, gab es keine Anzeichen für eine Erholung. Schließlich entschloss sich Kyunga Rinpoche, zehn Monate nach dem Unfall und im zweiten Jahr der zweiten Drei-Jahres-Klausur in Lamayuru, seinen Körper zu verlassen. Er sagte seinem Hauptnachfolger Lama Sönam Jorphel Rinpoche den Tag seines Parinirvana voraus. Er sagte zu den Yogis in Klausur: „Es ist nicht nötig, aus der Klausur zu kommen. Bleibt einfach im Mahamudra Samadhi. Praktiziert Guru Yoga: Den Geist mit dem Guru zu verbinden, ist genug.“ Als S.H. Chetsang Rinpoche die Nachricht erhielt, bat er um ein Treffen mit Kyunga Rinpoche. Deshalb gab Kyunga Rinpoche ihm die besondere Erlaubnis, ihn am 29ten Wintertag des tib. Kalenders um 4 Uhr nachmittags für eine halbe Stunde zu treffen. Kyunga Rinpoches Stimme war undeutlich, aber er gab S.H. Chetsang Rinpoche doch viele wichtige Ratschläge. Insbesondere sagte er: „In der Vergangenheit konntest du Tibet nicht verlassen und ich war besorgt um dich. Nachdem du herausgekommen warst, gingst du nach Amerika und ich war besorgt, dass du die Linie nicht weiterführen würdest. Jetzt bist du in Indien und du hast dein Studium und deine Praxis vollendet, also kann ich ohne Zögern sterben. Alle Dharmas sind unbeständig. Jetzt hast du die Verantwortung für die Drikung Kagyü Linie. Es ist eine schwere Aufgabe, aber du musst sie annehmen. Gehe zurück in die Klausur.“ Nach dem Treffen kam Lama Sönam Jorphel zurück, um sich um Rinpoche zu kümmern. Normalerweise sagte Kyunga Rinpoche niemals zu jemandem ‚bis morgen‘, aber diesmal tat er es. Komme morgen, sagte er. An diesem Tag bat er darum, dass sein Mandala-Set, das aus Gold und Silber bestand, zu Pulver zerrieben und zur Bemalung einer Buddha-Statue verwendet werden sollte, so dass es nicht zur Ursache für Auseinandersetzungen würde.

Bei Sonnenaufgang am 30ten Tag des Jahres 1980, als er 70 Jahre alt war, bat er um ein Bild von S.H. Shiwä Lodrö und brachte Opferungen dar und sprach Gebete. Er hielt die Hand von Lama Sönam Jorphel, den einzigen Begleiter, den er zugelassen hatte, und sagte: „Zum Zeitpunkt des Todes gibt es keinen Unterschied zwischen der sitzenden Meditationshaltung und der Glück verheißenden Schlafhaltung, aber ich wähle die zweite. Jetzt sollten wir das Gebet an den Guru rezitieren.“ Sie rezitierten das Gebet dreimal zusammen, er verband seinen Geist mit dem Geist des Wurzel-Guru und trat in den Zustand der Mahamudra ein. Indem er ins Nirvana einging, blieb er sechs Tage in Meditation. Während dieser Zeit war der Himmel wolkenlos und von blauer Farbe, ein Zeichen seiner Vollendung der Mahamudra. Als sein Körper verbrannt wurde, erschienen Wolken in der Form von Glück verheißenden Symbolen. Hinterher wurden viele Reliquien gefunden. Mit diesen Reliquien baute Lama Sönam Jorphel einen Stupa in Lamayuru.

Kolophon: Diese kurze einführende Biographie von Kyunga Rinpoche wurde aus Gesprächen zusammengestellt, die mit S.H. Chetsang Rinpoche, Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche, Lama Sönam Jorphel Rinpoche, Lama Tenzin, Drubpön Samten sowie der Frau und der Tochter von Kyunga Rinpoche geführt wurden. Trotzdem wird hier nur ein kleiner Teil seiner Dharma-Aktivitäten aufgeführt. Alle Mängel und Unvollständigkeiten in dieser Biographie, die durch meine geringen Fähigkeiten entstanden sind, möge man mir verzeihen.

Die chinesische Biographie wurde im Juni 2001 von Acharya Jack Huang zusammengestellt. Sie wurde am 11. März 2002 von Acharya Jack Huang und Ani Nyima Drölma in der Songtsen Library in Nordindien ins Englische übersetzt. Möge Kyunga Rinpoche durch dieses Verdienst schnell zum Wohle der Wesen und zum Erhalt der Drikung Kagyü Praxislinie wiederkehren. M öge alles Glück verheißend sein.

Übersetzung: Heinz-Werner Goertz, 2004

Aus Rundbrief 1/2005

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Padmasambhava (tib. Guru Rinpoche), der Lotusgeborene https://drikung.de/padmasambhava-tib-guru-rinpoche-der-lotusgeborene/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=padmasambhava-tib-guru-rinpoche-der-lotusgeborene Fri, 26 Jan 2007 16:18:26 +0000 https://drikung.de/padmasambhava-tib-guru-rinpoche-der-lotusgeborene/

 Padmasambhava war ein berühmter Meister aus Indien. Im Land von Uddiyana wurde entsprechend vieler Aussagen verschiedener Sutras der große Meister in einer Weise aus einem Lotus geboren, die man als unmittelbare Geburt bezeichnet. So heißt es in dem Sutra der makellosen Göttin:

Die Aktivität aller Siegreichen der zehn Richtungen
wird sich in einer einzigen Gestalt sammeln.
Ein Buddha-Sohn, der wunderbare Verwirklichungen
erlangen wird,
ein Meister, der die Buddha-Aktivität verkörpert,
wird im Nordwesten von Uddiyana erscheinen.

Seine zahllosen Taten und Lebensbeispiele werden als magische Erscheinungen beschrieben, die entsprechend den individuellen Neigungen zur Belehrung der Menschen manifestiert wurden. Dieser große Meister war kein gewöhnlicher Mensch auf dem spirituellen Weg oder ein edles Wesen auf einer Bodhisattva-Stufe, sondern eine Emanation von Buddha Amitabha und Buddha Shakyamuni. Er ist erschienen, um denjenigen Menschen und Geist-Wesen zu helfen, die große Hindernisse haben. Durch die Lehren des Vajrayana und insbesondere durch die tiefgründigen Terma-Schriften (verborgene Schatz-Texte) konnten viele Lebewesen großen Nutzen erhalten. Er wird von Buddha Shakyamuni im Nirvana-Sutra als jemand beschrieben, dessen Eigenschaften ihn anderen Ausstrahlungen der Buddhas überlegen machen. 

In der Anfangszeit des tibetischen Buddhismus wurde Padmasambhava nach Tibet gerufen und beseitigte Hindernisse, die der Ausbreitung des Buddhismus in Tibet entgegenstanden. Durch sein Wirken in Tibet und Indien ist er bis heute berühmt. Er hat viele verborgene Texte (Termas) hinterlassen, die in späteren Zeiten wiederentdeckt und gelehrt wurden. In anderen Texten wird weiterhin erklärt, daß Padmasambhava aus seinem Mitgefühl Emanationen ausstrahlt, um allen Wesen zu helfen, solange der Daseinskreislauf (Samsara) besteht.

Mögen die Hindernisse beseitigt werden und die Dharma-Praxis zum Wohle der Wesen heranwachsen.
Aus Rundbrief 1/2000   
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Achi Chö Kyi Dölma https://drikung.de/achi-choe-kyi-doelma/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=achi-choe-kyi-doelma Fri, 26 Jan 2007 13:30:14 +0000 https://drikung.de/achi-choe-kyi-doelma/

Gebet an Achi Chökyi Dölma

Du herrscht über die drei Existenzbereiche
und beschützt alle Wesen ohne Ausnahme;

Du schützt die Lehren der tausend Buddhas
in diesem glücklichen Kalpa

und erfüllst die Wünsche aller fühlenden Wesen
entsprechend ihrem Begehr.

Mit Deiner Kraft, unsere Wünsche zu erfüllen,
Achi Chökyi Dölma, gewähre uns jetzt
die Herrlichkeit Deines Segens.

Kurze Lebensgeschichte der Dharma-Schützerin

Achi Chökyi Dölma ist die große Dharma-Schützerin der Lehren des Buddha. Sie ist eine Emanation der Vajrayogini, die die Weisheit und die Aktivität aller Buddhas verkörpert. Sie ist die göttliche Mutter der Buddhas und manifestierte sich aus Mitleid in der Form der Dakinis der fünf Buddha-Familien. Zum Wohle der Wesen in Samsara zeigt sie sich in unendlich vielen Manifestationen zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Dimensionen des Raumes.

Im Lande Uddiyana, wo das Vajrayana entstanden ist, befindet sich der göttliche Palast, in dem sich Vajrayogini in der Form der Vajra-Dakini manifestierte und sich dazu verpflichtete, die Lehren des Buddha zu schützen. Diese Verpflichtung legte sie gegenüber den fünf Familien der Weisheits-Dakinis ab.

Als später, im 8. Jahrhundert, Padmasambhava (Guru Rinpoche) nach Tibet eingeladen wurde, um die Lehren des Dharma zu verbreiten, segnete er viele Orte in Tibet und meditierte in zahlreichen Höhlen. Darunter befand sich Tidro, eine Höhle in der Gegend von Drikung, und Padmasambhava hielt sich dort sieben Jahre auf. Dies ist die längste Zeit, die er an einem Ort in Tibet verbrachte.

Während dieses Zeitraumes manifestierte sich Vajrayogini in der Form der höchsten Karma-Dakini und legte das Versprechen ab, die Lehren des Vajrayana zu schützen. Hierbei handelte es sich um die Manifestation im Jnanakaya (Weisheitskörper), durch die sie zum Wohle der kostbaren Lehren und aller fühlenden Wesen wirkte.

Aufgrund einer Prophezeihung im Chakrasambhava-Tantra heißt es, die höchste der Karma-Dakinis werde in der Gegend der Höhle Tidro in Drikung erscheinen und sie werde eine Nirmanakaya-Manifestation der Vajrayogini sein. Der Nirmanakaya (Ausstrahlungskörper) ist eine Manifestation des Form-Körpers, durch die ein erleuchtetes Wesen allen fühlenden Wesen hilft.

Um das 11. Jahrhundert lebte in Shotoe (im Gebiet von Drikung in Mitteltibet) eine Familie, die kein Kind bekommen konnte. Um doch noch ein Kind zu bekommen, unternahmen die Eheleute eine Pilgerreise nach Swayambhu in Nepal. Inbrünstig baten sie im Gebet um ein Kind, und eines Nachts hatte die Frau, Driza Darzan, einen Traum: eine strahlend helle Sonne erschien im Osten und sandte Lichtstrahlen in die zehn Richtungen. Dann löste sich die Sonne auf und ging in ihren Leib ein, von wo sie Licht ausstrahlte, das das ganze Universum erfüllte und insbesondere das Land ihrer Geburt erhellte. In der gleichen Nacht träumte ihr Mann Nanam Chowopal, daß ein Rosenkranz aus klarem weißen Licht aus dem östlichen Buddhaland hervorging und in den Körper seiner Frau eindrang. Am Morgen besprachen sie ihre Träume und er sagte: „Uns wird ein besonderer Sohn geboren, und wir sollten sehr achtgeben, bis dieses Kind geboren ist.“ Sie nahmen eine Tsog-Opferung vor, beteten intensiv um die Erfüllung ihrer Wünsche und kehrten dann in ihre Heimat in Drikung zurück.

Es kam die Zeit der Geburt, und in dem Ort Kyetragthang wurde ihnen eine außergewöhnliche Tochter geboren. Es erschienen zahlreiche glücksverheißende Zeichen und ihr Körper war von reinstem Weiß und sandte Lichtstrahlen aus. Als kleines Kind rezitierte sie bereits ständig das Tara-Mantra und im Alter von drei Jahren lehrte sie andere dieses Mantra. Sie wuchs schnell heran und war außergewöhnlich schön. Ihre Eltern starben, als sie noch sehr jung war, woraufhin sie bei ihrem Onkel blieb.

Viele wollten sie heiraten, sie lehnte jedoch alle Bewerber ab und erklärte: „Ich werde nach Kham im Ostteil Tibets gehen. Dort lebt ein großer Yogi, ein Nachkomme der vornehmen Kyura-Sippe. Diesen Yogi werde ich heiraten und unsere Söhne und Enkel und die nachfolgenden Generationen werden außergewöhnliche Personen sein, die zum Wohle aller fühlenden Wesen die Essenz der Lehren des Buddha verbreiten.“ Dann begleitete sie einen Händler und reiste nach Kham. So erreichte sie einen Ort mit dem Namen Dentod Tsongur und sagte zu ihrem Reisegefährten: „Dies ist der Ort, an dem ich bleiben muß.“ Sie verabschiedete sich und suchte den großen Heiligen Ame Tsültrim Gyatso auf, dem sie erklärte: „Ich hänge zwar nicht am weltlichen Leben, aber wenn wir eine Verbindung eingehen, dann werden zu unseren Nachkommen viele erleuchtete Wesen gehören und sie werden den Lehren des Buddha von großem Nutzen sein.“

Am Tage ihrer Heirat verfügte Ame Tsültrim Gyatso über keinerlei Besitz, mit dem man die Zeremonie hätte ausrichten können. Dölma sagte:“ Mach dir keine Sorgen, ich werde mich darum kümmern.“ Mit diesen Worten zog sie auf wunderbare Weise eine Damaru aus ihrer rechten und eine Kapala aus ihrer linken Tasche. Während sie die Damaru spielte und die Kapala in der Hand hielt, vollführte sie einen mystischen Tanz und starrte zum Himmel auf. Unverzüglich war das Haus mit den feinsten Lebensmitteln und Getränken angefüllt sowie mit den reichsten Gewändern, in die sie sich kleiden konnten, was bei allen Gästen ein großes Maß an Zufriedenheit und Vergnügen auslöste.

Sie lebten zusammen und nacheinander wurden ihnen vier Söhne geboren. Namkhe Wangchuk, Pekar Wangyal, Sönam Pal und Kathung Trushi. Diese Söhne waren außerordentlich intelligent und wurden große Gelehrte, sowohl auf der weltlichen als auch auf der spirituellen Ebene.

Zu einem späteren Zeitpunkt sagte Dölma: „Ich habe bewußt die Geburt in Samsara gewählt, um meinen Wunsch zu erfüllen, die Lehren Buddhas zu schützen und zum Wohle aller fühlenden Wesen zu wirken. Aus diesem Grunde werde ich meinen Anhängern die gewöhnlichen und die höchsten Siddhis gewähren.“ Sie führte ihre Anhänger zu einer riesigen Höhle mit dem Namen Tingring. Diese Höhle war ein sehr heiliger Ort. Sie enthielt viele kostbare Termas (verborgene Schätze) und auf den Felsen im Inneren der Höhle befanden sich viele selbstentstandene Statuen der Buddhas und Bodhisattvas, Yidams, Dakinis und Dharma-Schützer. Hier führte Dölma eine große Tsog-Opferung durch. Denjenigen, die von diesem Tsog etwas erhalten konnten, wurden die gewöhnlichen und höchsten Siddhis gewährt. Sie verfaßte einen Text mit einer Sadhana von sich selbst und versprach, sich allgemein um die Lehren des Buddha zu kümmern und den großen Wesensgehalt derjenigen Lehren des Buddha zu schützen, die in der Zukunft erscheinen werden. Dann sagte sie: „Meine Aktivitäten in diesem Körper sind beendet“ und flog auf ihrem blauen Pferd zum Buddhaland hinauf, ohne einen Körper zurückzulassen.

Von ihren vier Söhnen hatta Pekar Wangyal wiederum vier Söhne: Khenpo Dharma, Könchok Rinchen, Tsunpa Bar und Naljor Dorje. Von diesen vier wurde Naljor Dorje der Vater des großen Ratnashri Jigten Sumgön, des großen Drikungpa, der die Reinkarnation von Nagarjuna war.

Als Jigten Sumgön sich einst im Kloster Jangchub Ling in Drikung Thil aufhielt, war der Klang einer Damaru zu hören, begleitet von wunderschönen himmlischen Gesängen. Drubthob Khamba Gyagarwa, ein Schüler und großer Yogi, war dabei und fragte Jigten Sumgön nach der schönen Musik. Jigten Sumgön erklärte: „Die unvergleichlichen Klänge stammen von Achi Chökyi Dölma, meiner Großmutter, die eine Weisheits-Dakini ist.“ („Achi“ bedeutet im Tibetischen „Großmutter“.)

Da bestand Drubthob Khamba eindringlich auf seiner Bitte, eine Methode der Achi Chökyi Dölma zu praktizieren, und Jigten Sumgön verfaßte daraufhin eine Sadhana, die aus zehn Blättern Text besteht und im „Achi Pe Bum“ enthalten ist.

Im „Me-Che-Barwa-Tantra“ sagt der Buddha: „Nach zahllosen Kalpas wird sie in einem Weltsystem mit dem Namen Pema Chän zum vollkommen erleuchteten Bhagavan, Thathagata, Arhat, Samyak-Sambuddha werden und ihr Name wird Pema Dampe Pal sein.“

Dies ist die Lebensgeschichte der großen Achi Chökyi Dölma, der einzigartigen und mitleidsvollen Dharma-Schützerin, die sich zum Dienst am Buddhadharma verpflichtete und zum Wohle aller fühlenden Wesen wirkte. Sie versprach Jigten Sumgön Ratnashri, dem großen Drikungpa, die Essenz der von ihm ans Licht gebrachten und durch die Linie der Drikung Kagyü Schule weitervermittelten Lehren des Buddha zu schützen. Wegen dieses Versprechens wird jeder, der die Sadhana von Achi Chökyi Dölma mit ganzer Hingabe und Zuversicht praktiziert, von allen Arten ungünstiger Umstände und Hindernisse in diesem Leben befreit werden sowie von allen Hindernissen, die in Zusammenhang mit der Dharma-Praxis stehen. Diejenigen, die sich dieser Praxis fortwährend voller Vertrauen und Hingabe widmen, werden schließlich den vollkommen erleuchteten Zustand erreichen, die Buddhaschaft.

Diese kurze Lebensgeschichte basiert auf einem von Seiner Heiligkeit Drikung Kyabgön Chetsang Rinpoche verfassten Text und wurde anläßlich der Eröffnung des Drikung Kagü Tibetan Meditation Center in Washington im Oktober 1983 ins Englische übersetzt. Später wurde der Text von den Drikung Kagyü Zentren in Deutschland ins Deutsche übersetzt.

 

Gebet an Achi Chökyi Dölma

Von den dreiunddreissig Aufenthaltsorten der Götter unterhalb
und den vier Kontinenten und den Eisenbergen oberhalb
hast Du alles durch Deine Kraft
und die Schnelligkeit Deiner Aktivitäten gewonnen.
Du bist das Oberhaupt der zwölf Schutzgottheiten von Tibet.

Vor Dir, Achi Chökyi Dölma,
stelle ich Nektar auf und mache Opferungen.
Ich rufe Dich an, um Dich an Dein Versprechen zu erinnern,
das Dir anvertraut wurde.

Bitte, gewähre Deine Hilfe,
damit ich meine Aktivitäten und mein Streben vervollkommnen kann,
welches in Übereinstimmung mit dem Dharma ist.

Aus Rundbrief Herbst 1999

]]> Die Drikung Kagyü Linie https://drikung.de/die-drikung-kagyue-linie-2/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=die-drikung-kagyue-linie-2 Sat, 04 Jun 2005 16:35:38 +0000 https://drikung.de/die-drikung-kagyue-linie-2/

Die Kagyü-Schule, eine der vier großen Schulen des tibetischen Buddhismus, wird auch als die mündliche Übertragungslinie bezeichnet, die ungebrochen bis zu Buddha Vajradhara zurückreicht. Unter den vier Hauptschülern von Gampopa (1079-1153) teilte sie sich in vier Strömungen auf. Einer dieser Schüler war Phagmodrupa (1100-1170), dessen Nachfolger Jigten Gönpo (1143-1217) die Drikung Kagyü Linie gründete.

Eine Zeit lang führten immer zwei Brüder die Drikungpas. Noch heute sind die Reinkarnationen "des älteren und des jüngeren Bruders", die Drikung Kyabgön Chetsangs und Drikung Kyabgön Chungtsangs, die Oberhäupter der Linie. Gegenwärtig leiten der 36. Drikung Kyabgön Chungtsang und der 37. Drikung Kyabgön Chetsang gemeinsam die Linie.

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Kurze Darstellung der Entwicklung der Drikung-Kagyü-Linie https://drikung.de/kurze-darstellung-der-entwicklung-der-drikung-kagyue-linie/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=kurze-darstellung-der-entwicklung-der-drikung-kagyue-linie Sat, 04 Jun 2005 16:13:49 +0000 https://drikung.de/kurze-darstellung-der-entwicklung-der-drikung-kagyue-linie/

Übertragung des Dharma nach Tibet

Buddha Shakyamunis kostbare Lehren wurden aus dem heiligen Land Indien nach Tibet gebracht und dort hauptsächlich von den großen Dharma-Königen Songtsen Gampo (eine Manifestation von Chenresig), Trisong-Detsen (eine Manifestation von Manjushri), und Trirelpa Chen (eine Manifestation von Vajrapani) in die tibetische Sprache übersetzt. Diese und andere Dharma-Könige, Minister, Übersetzer und Gelehrte verbreiteten die wunderbaren und vollendeten Lehren des Buddha in Tibet, ungeachtet ihres weltlichen Glücks, selbst unter dem Risiko, ihr Leben zu verlieren. Als ein Ergebnis davon entwickelten sich unzählige Heilige und Yogis in Tibet durch perfektes Verstehen, Betrachten und Meditieren über die kostbaren Lehren.

Ausgehend von diesen unzähligen Heiligen und Yogis, entwickelten sich acht große Linien, die als Nyingma, Kadam, Lamdre, Kagyü, Shangpa, Shije, Jordrug und Chöyül bekannt sind. Unter ihnen entstand die Kagyü-Linie durch den weithin berühmten großen indischen Heiligen Tilopa, der von Vajradhara (tib. Dorje Chang), dem Dharmakaya-Buddha, die direkte Übertragung aller Sutras und Tantras erhielt. Tilopa (988-1069) erhielt ebenfalls die Belehrungen über Mahamudra in Verbindung mit den sechs Yogas von Arya Nagarjuna, Charyapa, Lawapa und Khelwa Sangpo. Diese besondere Übertragung ist als Kagyü-Linie bekannt.

Der Hauptschüler des Heiligen Tilopa war der Gelehrte Naropa (1016-1100), das Oberhaupt der bedeutenden und weithin bekannten Universität Nalanda.

Die Entwicklung der Kagyü-Linie in Tibet

Marpa, der Übersetzer (1012-1097), der als der Tantrische Meister Tibets gilt, wurde der führende Schüler des Gelehrten Naropa. Er machte ausgedehnte Reisen, bereiste furchtlos dreimal Indien und viermal Nepal, um dann viele wichtige Belehrungen nach Tibet zu bringen. Marpa, der Übersetzer und Vater der Tantrischen Lehren, erhielt Unterweisungen von 108 Tantrischen Meistern, sowie von Naropa und Maitreya. Der Gelehrte Naropa bestimmte Marpa zu seinem Vajra-Regenten in Tibet und sagte voraus, daß sich die Mahamudra-Lehren in der kommenden Zeit bedeutend entfalten würden.

Der wichtigste Schüler des Heiligen Marpa war Milarepa (1052-1135), der als der größte Yogi Tibets angesehen wird. Jetsün Milarepa erlangte in einem Leben die Erleuchtung, und sein Name und seine Hunderttausend Gesänge sind zu einer Kraftquelle geworden, um zahllose Wesen auf den bewährten Pfad des Buddha zu führen.

Jetsün Milarepas Hauptschüler war Gampopa (1079-1153). Als Buddha Shakyamuni in dieser Welt weilte, manifestierte sich Gampopa als Bodhisattva Chandra Prabhava Kumara. In den Samadhi- und Karuna-Pundarika-Sutras finden sich Prophezeiungen, die von Buddha selbst stammen und sich auf das Kommen Gampopas beziehen. Dieser studierte alle Sutras und Tantras. Insbesondere studierte er die Kadampa-Lehren, die sich von Gyachkriwa Chayulwa, Nyukrumgpa und anderen herleiten, und durch vollkommene Erkenntnis, vollkommenes Handeln und vollkommene Bemühung erlangte er erfolgreich die Manifestation aller natürlichen Zeichen eines Bodhisattva auf der zehnten Stufe (Bhumi).

Allein durch das Hören des Namens von Jetsün Milarepa erwuchs in Gampopa spontanes Vertrauen zu ihm, und als er schließlich zu Füßen Milarepas anlangte, erhielt er alle Unterweisungen, einschließlich der sechs Doktrinen, die jetzt allgemein als die „Sechs Yogas des Naropa“ bekannt sind. Auf diese Weise meisterte Gampopa alle Lehren des Buddha in Tibet. Gampopa verkörperte selbst drei große Linien – die Nagarjuna-Linie (die Linie der tiefen Einsicht), die Asanga-Linie (die Linie der allumfassenden Handlung) und die Tilopa-Linie (die segensreiche Meditations-Linie). Als Ergebnis dieser höchsten Realisation entstand der Name Dhagpo Kagyü. Außerdem entwickelten sich von Gampopa her die Phagdru-Kagyü, Barom-Kagyü, Kamtsang-Kagyü und Tselpa-Kagyü.

Aus der sehr großen Anzahl seiner Schüler erhielt Phagdru Dorje Gyalpo (1110-1170), eine Manifestation des Buddha Khorwajig, alle Lehren des Buddha von verschiedenen Lehrern in Tibet. Er wurde berühmt für sein außerordentliches Wissen der Sutras und Tantras. Später, nach seiner Begegnung mit Gampopa, realisierte er die „Ursprüngliche Natur“. Darüber hinaus war er in der Lage, vielen Buddhas, Bodhisattvas und Yidams von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Er wurde der hauptsächliche Schüler von Gampopa. Danach ging Phagdru Dorje Gyalpo nach Phagmodru in Zentraltibet und „drehte das Rad der Lehre“. Daraufhin realisierten zahllose Schüler die Lehren, und der Ort wurde schließlich bekannt als „Sambhoga Buddha Feld“. Durch Phagdru Dorje Gyalpo entstanden folgende acht Kagyü-Linien: Drikung, Taglung, Trubo, Lingre (Drugpa), Mapa, Yelpa, Yasang und Shugseb.

Er hatte fünfhundert Hauptschüler, unter ihnen war der bedeutendste Schüler Kyobpa Jigten Sumgön Ratnashri, allgemein bekannt als „Drikung Kyobpa“ (1143-1217 ). Kyobpa Jigten Sumgön Ratnashri war der Vajra-Regent des Buddha selbst in der nördlichen Hemisphäre.

Prophezeiungen über Jigten Sumgön

Einige vorläufige Übersetzungen der Voraussagen, die Buddha Shakyamuni in bezug auf Kyobpa Jigten Sumgön Ratnashri gemacht hat, lauten folgendermaßen:

  1. „In dem letzten Abschnitt der je fünfhundert Jahre wird in der nördlichen Hemisphäre das himmlische Gebiet, genannt ‚Drikung‘, einen Buddha mit Namen ‚Ratnashri‘ hervorbringen.“
  2. In der Yeshe Yongsugyepa Sutra wird gesagt: „In der nördlichen Hemisphäre inmitten der verschneiten Bergketten wird Ratnashri erscheinen. Dieses außergerwöhnliche Wesen wird weltweiten Ruhm erlangen und meine Lehren in großem Maße fördern.“
  3. Die Ghongdhu Sutra besagt: „Der Ursprungsplatz des Dharma, genannt Drikung, wird Ratnashri hervorbringen, der im Schweine-Jahr geboren wird. Er wird umgeben sein von einer Schar von einer Million Schüler. Bei seinem Tod wird er in das Ngonda Buddha-Feld eingehen. Dort wird er unter seinen unzähligen Schülern der ‚Vollkommene Weiße Buddha‘ genannt.“
  4. Und letztendlich prophezeite der Lotosgeborene, Padmasambhava, in seinem ‚Gyalpokathang‘: „Der Dharma-König Trisong Detsen wird in nordöstlicher Richtung von Samye, in Drikung, der Domäne des Buddha-Dharma, in der Form der Sugatas, als Ratnashri, im Schweine-Jahr erscheinen. Umgeben von einer Schar von einer Million Schülern, wird er das Ngonda Buddha-Feld als der vollkommene Weiße Buddha regieren.

In vielen Sutras und Tantras finden sich solche Prophezeiungen über Kyobpa Jigten Sumgön Ratnashri. Litsabe war ein Zeitgenosse von Buddha Shakyamuni und wurde als Buddhas wahre Manifestation angesehen, welcher sich, nachdem 400 Jahre verstrichen waren, als Arya Nagarjuna wiederverkörperte. Arya Nagarjuna wurde später in Tibet als Kyobpa Jigten Sumgön Ratnashri wiedergeboren, um die makellosen Lehren ohnegleichen zu fördern. Der singalesische Arhat und Mönch und die grüne Tara sagten dem Mahapandit Shakya Shri Badara, daß Ratnashri eine Wiedergeburt von Arya Nagarjuna sei.

Kurze Biographie Kyobpa Jigten Sumgöns

So geschah es in Übereinstimmung mit den Weissagungen, daß Kyobpa Jigten Sumgön Ratnashri im 12. Jahrhundert in Osttibet geboren wurde. Sein Vater hieß Naljor Dorje und seine Mutter Rakshisatsün. Im Alter von vier Jahren konnte er lesen, mit acht Jahren erfuhr er eine direkte Begegnung von Angesicht zu Angesicht mit Dorje Jigjey. Von vielen bedeutenden Lehrern erhielt er die Mahamudra- und Kadampa-Lehren; im Alter von 25 Jahren traf er seinen Guru Phagmodrupa in Zentraltibet. Von Phagmodrupa erhielt er alle Unterweisungen der Sutras und Tantras. Dann erreichte er die höchste Hingabe und den höchsten Bewußtseinszustand und wurde der Hauptschüler von Phagmodrupa.

Später wurde Ratnashri Phagmodrupas Vajra-Regent. Im Augenblick von Phagmodrupas Tod war eine Versammlung seiner Schüler Zeuge der wunderbaren Übertragung eines goldenen Vajra (aus Licht) aus dem Herzen von Phagmodrupa in das Herz von Ratnshri. Nach siebenjähriger Meditation in der Echung-Höhle in Zentraltibet erlangte Ratnashri im Alter von 35 Jahren Erleuchtung. Sein Ruhm verbreitete sich in ganz Tibet und infolgedessen gewann er eine ständig wachsende Zahl an Schülern.

Im Alter von 37 Jahren errichtete er den Hauptsitz in Drikung mit dem Namen „Jangchub Ling“ (Zentrum der Erleuchtung). Hier betonte er die Wichtigkeit ethischer Disziplin, die die Wurzel der Lehren Buddhas bildet. Sogar Gottheiten und Geister setzten sich Kyobpa Jigten Sumgön zu Füßen, um sich zu verpflichten, den Dharma zu schützen. Er gab die Unterweisungen stets in Übereinstimmung mit dem Verstehenshorizont seiner Zuhörer, und alle fühlenden Wesen erhielten den höchsten Nutzen. Er war in der Lage, Bodhisattvas zu führen und besuchte die Buddha-Länder aller zehn Richtungen, weil sein Geist eins war mit allen Buddhas.

Als der erste Karmapa, Düsum Khyenpa, Drikung besuchte, sah er Jigten Sumgön als Buddha selbst. Er entwickelte großes Vertrauen in ihn und erhielt von ihm Belehrungen. Die Könige von Tibet, Indien und China erwiesen ihm ihre Ehrerbietung. Amldrozichen, ein König der Nagas, brachte Opferungen dar, um die wachsende Zahl von Schülern um Jigten Sumgön zu bewahren. Jangchub Ling (Drikung) erreichte die Höhen seiner spirituellen und materiellen Blütezeit.

Jigten Sumgön gab viele Belehrungen über seine eigene Verwirklichung der Buddhaschaft viele Kalpas zuvor, als er sich als Buddha Lurigdron manifestiert hatte. Nachdem Buddha Shakyamuni Voraussagen über Kyobpa Jigten Sumgöns Erscheinen gegeben hatte, gab er seinen 4. Zahn an Sogmamey, einem König der Nagas, mit dem Auftrag, diesen Kyobpa Jigten Sumgön zu überbringen. Kyobpa Jigten Sumgön sandte einen Schüler zu Sogmamey und bat um den Zahn des Buddha. Danach ließ er eine Statue von sich anfertigen, die in ihrem Inneren den Zahn enthielt. Diese segnete er mehrmals und opferte sie.

Kyobpa Jigten Sumgön hatte 180.000 Schüler in Drikung. Dreimal sandte er Schüler an jeden der heiligen Plätze – zum Berg Kailash, nach Lachi (in der Nähe von Nepal) und nach Tsari (in der Nähe von Arunachal Pradesh). Beim dritten Mal schickte er 55.525 Schüler mit der Absicht, dort zu meditieren. Er sandte ebenfalls viele Schüler an einsame Plätze überall in Tibet und insbesondere in die Bergketten des Himalaya. All dies führte dazu, daß in der Folgezeit diese heiligen Plätze der Obhut der Drikung-Kagyü anvertraut waren. Auf diese Weise verkörperten Jigten Sumgöns Belehrungen die Lehren aller Buddhas. Er betonte die umfassende Bedeutung ethischer Disziplin und des Bodhicitta und lehrte, dies seien die Schlüsselfaktoren, die die Wesen zur Erlangung der Buddhaschaft befähigen. Seine Lehren verbreiteten sich weit und waren Gottheiten, Nagas und menschlichen Wesen in höchstem Maße von Nutzen. In seinem 75. Lebensjahr erreichte er das Mahaparinirvana.
Diese kurze Darstellung eines Auszugs aus dem wunderbaren Leben des Kyobpa Jigten Sumgön ist nur wie ein Tropfen Wasser im gesamten Ozean.

Weitere Entwicklung der Drikung-Kagyü-Linie

801 Jahre sind bis zur jetzigen Zeit der Aufzeichnung verstrichen, seit der Hauptsitz der Drikung-Kagyü (Jangchub Ling) errichtet wurde. Von dem großen Abt Khenchen Gurawa Tsültrim Dorje bis hin zur Gegenwart gab es 37 aufeinanderfolgende Meister, die die goldene Kette der Drikung-Kagyü-Linie bilden. Jeder dieser inspirierten Meister war eine Manifestation der Buddhas und Bodhisattvas. Durch angemessenes Verstehen, Betrachten und Meditieren in Übereinstimmung mit den in den Sutras und Tantras von Vajradhara enthaltenen Lehren verbreiten sich allumfassende Segnungen zum Wohle aller fühlenden Wesen.

Mögen diese kostbaren Lehren des Buddha ein Mittel sein, um das Leiden der fühlenden Wesen gänzlich zu beseitigen. Möge es allen nützen.

Diese kurze Darstellung der Entwicklung der Lehre bis zum Entstehen der Drikung-Kagyü-Linie stammt von S.H. Drikung Kyabgön Chetsang Rinpoche, dem Oberhaupt der Drikung-Kagyü-Schule des tibetischen Buddhismus und wurde während der Einweihung des „Tibetan Mahayana Buddhist Drikung Kagyudpa Centre“ in Bylakuppe, Süd-Indien, am 15. Mai 1980 vorgetragen. Eine englische Übersetzung wurde später von westlichen Schülern ins Deutsche übersetzt. Diese vorläufige Übersetzung bedarf einer späteren Überarbeitung, wird jedoch hier vorgestellt, um einen kurzen Eindruck in bezug auf die Lebensgeschichte des Kyobpa Jigten Sumgön zu vermitteln.

Aus Rundbrief 2/2001 

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