Die Lehre und die Leere

Die Lehre versucht zu buchstabieren,
Unmöglich Aussprechbares auszudrücken,
Als Spiel mit Worten zu verzieren
Die Wahrheit, zu entzünden eine Flamme,
Um in ihrem Lichte vorzurücken.

Eine Schatzkarte enthüllt sie innerem Auge,
Den Spaten musst Du selber führen,
Schrittweise loslassen die gemeine Sorge,
Geborgenheit im Augenblick zu finden,
Der von Anfang an vollendet war.

Die Leere genügt sich ganz allein,
Ist bar von Worten, bar der Bilder,
Wer einmal ahnte ihren Schein
Wirft schleunigst alles andere hinüber,
Erkennt Gemeinsamkeit, wird milder.

Jeden Sinn vergessend erfüllt er gerade ihn,
Das Ziel verloren, hat er’s schon erreicht,
Kommt geschlossenen Auges dahin,
Die Dunkelheit als Licht zu sehen,
Zum Lebensfluss kehrt er zurück, erweicht.

Lehre legt den Finger an die Leere,
Leere ihrerseits gebiert die erste,
Gier, Hass, Verblendung sind die Heere,
Die nach unseren Herzen trachten;
Stehst Du in beiden fest,
Bist Du der Sieger aller Schlachten.

Gedicht von Frank Ohmann

Aus Rundbrief 1/2004